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Feldpostbriefe unseres Großvaters, 1917, 1.4

28.02.1917
Blamont, Frankreich, Frankreich
Paul Diekmann (rechts) in der "Sandgrube" 1917

Feldpostbrief, 28. Februar 1917



Im Schützengraben, Sandkuhle, vor Blairville, d. 28. Febr. 1917, 

am Mittwoch, mittags 12 Uhr.

Mein heißgeliebtes, gutes Lieschen!

Genau 14 Tage liegen wir nun schon im Graben. Ob wir die nächsten 14 Tage auch noch mal bleiben, wie es vorgesehen war? Ich glaube es kaum. Vorige Nacht konnte ich schlecht einschlafen. In meinem Unterstande war alles vollkommen ruhig. Nur ein Telefonist und eine Ordonnanz wachten. Da hörte ich gleichmäßiges Hacken und Pochen. Das hatte ich in den letzten Tagen schon häufiger festgestellt, wenn ich mich mal hingelegt hatte. Aber ich hielt's für Holzhacken oder für die Tritte des Postens draußen. Beides konnt's diesmal nicht sein. Ich horchte und ließ auch die beiden Leute horchen. Kein Zweifel! Unter oder neben uns wird gearbeitet. Da wir hier alle Minierarbeiten eingestellt haben, kann's nur der Engländer machen. Ein schönes Gefühl ist das ja nun gerade nicht, zu wissen, daß man nächstens mit hochfliegt. Ich werde deshalb auch selbstredend alles tun, meine Vorgesetzten von der Gefahr zu überzeugen, in der wir alle schweben.

Dir würde ich aber gewißlich nichts davon schreiben, Liesi, wenn ich nicht besondere Gründe hätte. Tapfer mußt Du ja überhaupt allem entgegensehen, was kommen kann. Mein tapfres Lieschen tut's ja auch. Das weiß ich. Wenn Du nun in unserer Gegend (Ransart, Blairville, Blamont, Ficheux) von größeren Sprengungen lesen solltest - den Sprengungen folgen allemal große Angriffe - und ich würde nachher als vermißt gemeldet, dann darfst Du Dir keine Hoffnungen mehr machen. Es bleibt bei solchen Sprengungen eben nichts am Leben. Das mußt Du wissen, Liesi! Und nur deshalbschreibe ich davon. Der Tod ist sicher leicht und schnell. Es wird einem garnicht mehr zum Bewußtsein kommen, was geschieht oder geschehen ist. Beten wollen wir wie bisher zum Retter aus Not und aus Gefahr! Und das Danken wollen wir nicht vergessen für all das viele Gute, das wir erfahren haben! Auch in den letzten 14 schönen Urlaubstagen! Aber bitte, Liesi, mach Dir nun nicht besondere Sorgen! In Lebensgefahr war ich ja schließlich immer.

Heute werde ich wohl kaum Post von Dir bekommen. Gestern abend kam ja schon Dein lieber Brief vom 23.2., der in Heiden gestempelt war. Von Rudolf kam der etwas sonderbar gehaltene Brief vom 20./2. Auch Du wirst den nicht verstehen. Außerdem habe ich genau so regelmäßig wie sonst geschrieben. Und in Waddenhausen ist kein ungünstiges Wort über Rudolf gefallen. Das habe ich Rudolf auch geschrieben und mir im übrigen solche Briefe verbeten, zu denen ich nicht den geringsten Anlaß gegeben habe. Zugleich habe ich angefragt, ob Heerserheide etwa im Spiele sei. - Warst Du übrigens dort, Liesi? Und was hat 's gegeben?

Bubi wird schon seinen Spaß am Telefon haben. Das verstehe ich nur zu gut. Ihr habt aber auch manches Angenehme dadurch. Seid Ihr an Lage angeschlossen oder an Detmold? Denkt Bubi auch noch an mich, u. spricht er zuweilen noch von selbst von mir? Ganz viel Spaß haben wir beide ja diesesmal gerade nicht zusammen gehabt. Zum Schlittenfahren war's zu kalt. Und Helmchen? Was macht der? Schick mir nur recht bald mal wieder Aufnahmen! Und dann schreib doch nun auch bitte jedesmal wieder kurz über Dein Befinden! - Wie ist's mit meinen Lederhandschuhen, mit Äpfeln und mit Kuchen? Gelegentlich, nicht wahr, Liesi? Die Postsachen aus der Heimat kommen ja nun scheinbar wieder schneller über. Gott mit uns. Ich bin und bleib mit herzlichstem Gruß u. Kuß Euer treuer

Vater

19.03.2013 в 07:28


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