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Feldpostbriefe unseres Großvaters, 1917, 2.2

09.06.1917
Fontaine, Mörser-Mebu, Belgique
Paul Diekmann, 1917

Feldpostbrief, 9. Juni 1917


Im alten Artilleriestollen, Höhe 60, den 9. Juni 1917, 
am Sonnabendabend 1/2 12 Uhr.


Mein Lieb!

Es geht mir schlecht. Scheinbar Magen- u. Darmkatarrh. Die Krankheit, an der wir so viele Leute liegen haben. Gestern Abend kam ich ziemlich erhitzt hier im Unterstande an. Der war feucht u. kalt, u. heute morgen hatte ich schon den tollsten Husten. Gleich nach unserer Ankunft kam dann ein engl. Angriff auf Rgt. 99, links. Meine Leute waren zur Küche. In dem schweren Artilleriefeuer waren mir 7 Leute versprengt worden, die nun erst heute Abend sich wieder einfanden. Heute morgen habe ich etwas geschlafen, wachte aber mit rasenden Kopfschmerzen wieder auf. Dazu Übelkeit u. völlige Appetitlosigkeit.

Und zu alledem noch eine böse Artillerieschießerei auf unsern Unterstand. Jeder Einschlag schmerzte beinahe körperlich. Dazu hatte der Unterstand nur einen Ausgang. Wenn der verschüttet wurde! Und richtig! 1/2 3 heute Nachmittag ein schwerer Schlag! Alle Kerzen aus. Und Schreien u. Stöhnen von Verwundeten u. Rufe nach dem Sanitäter. Gerade auf den Eingang war eine 15er Granate gegangen u. hatte den Posten verschüttet u. meinen Sanitätsgefreiten durch Balkensplitter arg verletzt. Wie tot brachten wir beide herunter. Der Sanitätsgefreite war erst heute morgen von der 11. Komp. gekommen, um meinen gestern in Urlaub gefahrenen Sanitätsunteroffizier zu vertreten. Der arme Mann ist nicht wieder zum Bewußtsein gekommen. Der Doktor war gerade hier, als er schlief u. hielt's für nicht so gefährlich. Aber gleich nachher sprang er auf u. raste furchtbar. Mit Gewalt haben wir ihn ins Bett drücken müssen. Schaurig klangen seine bayrischen Flüche! Soeben ist er zum Sanitätsunterstande gebracht. Schädelbruch. - Mein Posten behielt die Besinnung. Er hat Beckenquetschung und den rechten Arm gebrochen. Es ist schauderhaft! Natürlich hat das mein Befinden nicht gebessert. Der Weg nach Sandemont wird mir schwer werden. Das Pferd kommen zu lassen, darf man nicht wagen. Hoffentlich bin ich bald wieder auf der Höhe!

Gestern abend Heeresbericht über Ypern. Heute haben Engländer vor 99 Schild aufgesteckt: "Großer Sieg bei Wytchacte! 5000 Gefangene! Ergebt euch u. verbündet Euch mit uns!" Nach dem heutigen Bericht haben wir allerlei verloren. Aber ein Durchbruch scheint vorläufig verhindert. - Von Dir kam gestern Dein I. Kartenbrief vom 5. Juni. Herzl. Dank! Ich freue mich, daß es Dir gut geht. Auch über Helmchens Zeilen habe ich mich sehr gefreut. Ihr habt beide recht, Liesi! Ruhe u. Erholung tun mir not. Ich sehe auch zu, was sich machen läßt. Wenn's nicht mehr geht, mache ich Schluß. Und glaub mir, meine Sehnsucht nach Euch ist groß. Aber an regelrechten Urlaub darf ich noch nicht denken. Da bin ich noch nicht dran. Gott befohlen, Liesi! Und herzlichste Grüße u. Küsse! In treuer Liebe bin u. bleibe ich Euer

Vater.

20.03.2013 в 15:06


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