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Feldpostbriefe unseres Großvaters, 1916, 4.4

07.11.1916
Douaumont, Frankreich, Frankreich

Feldpostbrief, 7. November 1916

Im Schützengraben am Ancrebach 
B. 6, U. 29, Dienstag, den 7. November 1916, nachmittags 3 Uhr.

Mein heißgeliebtes, gutes Lieschen!

Mir geht's wie Dir. Dann kommt mal zwei Tage lang keine Post, und dann kommen gleich wieder mehrere Briefe auf einmal. Gestern abend kamen zwei. Vom Donnerstag und Freitag. Letzterer sogar erst am 4. gestempelt. Da brauche ich mir also für heute abend wohl keine Hoffnung zu machen. Vater schrieb auch. Gerade, nachdem ich mich in Deinem Briefe von gestern noch darüber gewundert hatte, daß ich von Waddenhausen solange ohne Nachricht sei. - Auch Vaters Brief war schon vom Freitag. Er scheint sich über den 8. Oktober sehr gefreut zu haben. Du, m. L., hattest damals sicher zu wenig Zeit. Sonst hättest Du ja auch von den beiden Bubenjungen etwas geschrieben.

Im Briefe vom Donnerstag meinst Du, daß Du Dich von der Luft nicht ganz abgewöhnen wollest. Ich schrieb ja vor einigen Tagen noch darüber u. bitte nochmals, Liesi: Geh so oft u. so lange als irgend möglich nach draußen! Daß ich in den letzten Tagen wieder etwas mehr frische Herbstluft mitbekommen habe, schrieb ich ja schon. Sie ist mir auch ganz vorzüglich bekommen. Aber heute morgen war ich trotz des üblen Regenwetters draußen. Aber der Regen steckt mir wieder böse in den Knochen. Der Rheumatismus im rechten Beine regt sich wieder. Einige Tage lang habe ich ihn gottlob kaum gespürt. Ich muß jedenfalls heute mal wieder massieren u. war schon so froh, daß ich die Schmerzen los war.

Jetzt scheint mir der eigentliche Winterregen eingesetzt zu haben. Nach den Stürmen der letzten Tage war ja damit zu rechnen. Wenn damit nun nur auch das blödsinnige Artillerieschießen aufhören wollte! Aber das ist heute noch toller als gestern. Da werden unsere Gräben bald nett aussehen! - Vorige Nacht gabs hier ein schauerlich schönes Schauspiel, wie ich's noch nicht erlebt habe. Ich hatte mich gerade zu Bett gelegt, als meine Posten oben am Unterstande herunterriefen, daß bei Albert ein Riesenbrand sei. Der Himmel war dann auch südöstlich von Albert blutrot, und alle paar Minuten flogen Flammenbündel bis an die Wolken. Kein Zweifel: Das waren Riesen-Explosionen. Und bald sah ich dann auch, wie hoch oben in höchsten Höhen Schrapnells platzten. Man schoß auf Flieger. Scheinwerfer suchten den Himmel ab. Aber wohl vergeblich. Unsere wackern Flieger sind hoch über den Wolken heimgekehrt. Hoffentlich alle! Ihre Bomben haben scheinbar riesige Munitionslager der Engländer in Brand gesetzt. Dumpf drangen aus einer Entfernung von 20 km die Schläge ans Ohr, und der Luftdruck löschte unsere Lampen. Das muß furchtbar gewesen sein. Noch jetzt steigen dort Dampfsäulen auf. - Sag unserm Bubenjungen nur, daß seine Entschuldigungen nicht stichhaltig seien. Er müsse mal wieder schreiben. Bald will doch das Christkindlein kommen. Daß er Großmutter mehr liebt als Dich, ist zu erklärlich. Aber auch nicht schlimm. - Wann hat Mutter Geburtstag? - Nun ist schon wieder die halbe Zeit hier vorn um. Schneller sind mir die Tage wohl nie geflogen. - Ich bin u. bleibe mit herzlichstem Gruß und heißen Küssen für Dich u. Bub u. Helmut u. mit treuem "Gott befohlen" Dein Dich liebender

 

dankbarer Paul.

16.03.2013 в 10:56


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