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Kino in den 1950er Jahren

07.06.1958
Berlin, Deutschland, Deutschland

Das Kino Zoopalast und das "darunter geschobene" Atelier am Zoo, die 1957 ihren Betrieb aufnehmen

Mit dem Besuch meiner ersten Jugendvorstellung an einem Sonntag war ich für immer gefangen in der Fantasiewelt, die Hollywood mir zu der Zeit für 50 Pfennig Eintritt im Kintopp [in Berlin] vorgaukelte. (…) Im Gegensatz zu den schmucklos bestuhlten Ladenkinos der Anfangszeit, wie zum Beispiel das 1903 eröffnete „Elite“ in der Hermannstraße, Ecke Flughafenstraße, waren die Kinos der Nachkriegszeit repräsentative „Paläste“. In unserer Gegend, im Viereck zwischen Bahnhof Sonnenallee, Bahnhof Herrmannstraße, Südstern und Kottbusser Tor, gab es 15 bis 20 zum Teil wieder eröffnete, zum Teil neu erbaute Lichtspielhäuser. Sie trugen glamouröse Namen wie Primus-Palast, Wintergarten, Maxim, Stern, Europa-Palast sowie Roxy und lockten das Publikum mit üppig gepolsterten Sitzen und generösen Ausstattungselementen wie schwere Auslegeware, Stoffbespannung an den Wänden, „Sternenhimmel“ und „Wasserorgel“.

Eröffnet wurde die Vorstellung mit der Wochenschau, einer für das Kino wöchentlich neu produzierten Zusammenstellung von Filmberichten über politische, gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse. Als sogenannter Vorfilm liefen dann vor dem eigentlichen Hauptfilm Kurzfilme unterschiedlicher Art. Viel gelacht haben wir dabei über die Slapsticks des Komiker-Duos „Laurel und Hardy“ (Dick und Doof), die auch im Aktualitätenkino (Wochenschaukino) AKI in der Karl-Marx-Straße, wo man jederzeit Eintritt hatte und beliebig lange zuschauen konnte, ihren festen Platz hatten.
Ein weiterer beliebter Spaßmacher meiner Kindheit war Jerry Lewis, in dessen Filmen ich aber oft nicht verstand, worum es eigentlich ging, wenn zum Beispiel die Weißbrotscheiben aus dem Toaster sprangen. Durch den Wilden Westen und Kalifornien ritt ich an der Seite von Hopalong Cassidy und Zorro. Und was war das immer für eine Begeisterung, wenn zum Schluss endlich der „Jute“ kam und den Bösewichten Saures gab. Bei Kussszenen riefen wir immer: „Halbzeit!“.
Während in den USA aufgrund der Verbreitung des Fernsehens bereits ein großes „Kinosterben“ eingesetzt hatte, verfolgten wir in den 50er Jahren auf der Leinwand quasi ungestört – einen Fernseher gab es in unserem Haushalt erst ab 1963 – das Starkino aus Amerika. Dazu gehörten Monumentalfilme wie „Quo Vadis?“ und „Ben Hur“ sowie technische Weiterentwicklungen in Form von Breitwand und Raumklang. Eine Zeitlang gab es auch 3D-Filme, für die man an der Kasse eine spezielle Brille erhielt. Besonders beeindruckend waren dabei Szenen, in denen Objekte sich in Richtung des Zuschauerraumes bewegten. Nie vergessen habe ich den Schreck, als der erste Indianerspeer direkt auf mich zuflog.
Am nachhaltigsten durcheinandergebracht wurde meine jugendliche Gefühlwelt allerdings von dem zweitklassigen, in Polynesien angesiedelten Melodram „Insel der zornigen Götter“. Schuld war das tragische Ende der Liebesgeschichte zwischen dem Franzosen André und der Häuptlingstochter Kalua. Als ein Vulkan ausbricht, muss sich Kalua opfern, um die Götter zu besänftigen.

Die Aufmerksamkeit der Männerwelt galt natürlich auch den „Busenstars“ der damaligen Zeit. Sophia Loren und Gina Lollobrigida stritten lange um die Vorherrschaft. Dabei war zum Beispiel der Film „Die Frau vom Fluss“, für den auf der Litfaßsäule an der Ecke Sonnenallee ewig lange geworben wurde, erst ab 18 freigegeben. Ich war zu der Zeit 17 Jahre alt und wäre zu gern hingegangen, habe aber das Risiko gescheut, womöglich nicht hineingelassen zu werden. Nachdem ich mir den Film Jahrzehnte später einmal angesehen habe, weiß ich eigentlich nicht, weshalb darum so viel Wesen gemacht worden ist.

Als ich endlich 18 war, ging ich mit einem Freund an Sonnabenden Öfteren in die Nachtvorstellung ins Kino am Kottbusser Damm Ecke Boppstraße (Zickenplatz, Hohenstaufenplatz). Es hatte hinter der Leinwand noch einen zusätzlichen kleinen Zuschauerraum, der etwas weniger Eintritt kostete, wo man jedoch alles seitenverkehrt sah. Zu unserer Enttäuschung bekamen wir dort aber statt der erwarteten „Filme für Erwachsene“ oft nur pubertären Quatsch mit Schauspielern wie zum Beispiel Louis de Funès vorgesetzt.

27.02.2013 в 23:35
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