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"Aktivist der sozialistischen Arbeit"

10.07.1950
Jena, Deutschland, Deutschland

Damit ging ich [im Juli 1950] zum Jenaer Arbeitsamt. Denen war natürlich mein Schicksal völlig gleichgültig. Sie gaben mir Antragsformulare mit, die ich ausfüllen solle. Und was war das? Anträge für die Mitarbeit im Uranbergbau in Aue. Da erfasste mich die Wut. Nach vielen Jahren Krieg und Gefangenschaft, kaum zu Hause angekommen, sollte ich wieder fort? Ich zerriss die Formulare. […]

Eine Bekannte von Evchen erzählte, dass bei Jenapharm, einem Pharmabetrieb, der bei den Schott-Werken angesiedelt war, Mitarbeiter gesucht wurden. Ich stellte mich vor, schilderte auch meine Lage, und der fragende Chemiker meinte: „Und wie sauber arbeiten Sie?“ Meine Antwort: „Ich richte mich nach den jeweiligen Anforderungen.“ Ich konnte anfangen, im Labor der Vitamin D3-Synthese, und zunächst setzte man mich an einen Labortisch, auf dem zahlreiche Flüssigkeiten abgestellt waren, Mutterlaugen, Rückstände der Synthese.
Zwischendurch war ich natürlich auch im Schichtbetrieb der Synthese. So lernte ich alles kennen. Mit den Rückständen stellte ich allerhand an, lernte mit jedem Handgriff Neues, und am folgenden 1. Mai 1951 wurde ich „Aktivist“ und in der Jenaer Zeitung abgebildet. Ich hatte das kostbare Zwischenprodukt in erheblichen Mengen und guter Reinheit isoliert, und das gesamte Verfahren wurde wirtschaftlicher.

Evchen hatte die Nase voll [als Lehrerin an Schulkonferenzen voller „ideologischer Verrenkungen“ teilzunehmen], wir beschlossen, den Spieß umzudrehen. Ich war „Aktivist“ und „Fernstudent“, auch Mitglied der SED. Alles Gründe zu vermuten, dass ich vielleicht einen Draht zu höheren Parteischichten haben könnte. Vor solchen Leuten hatten alle Angst. Dabei war ich ein ganz harmloser Untertan, aber ich schrieb an die Schulleitung einen ideologisch vorbildlichen Brief, in dem ich auseinandersetzte, dass meine Frau mir helfen müsste (mit genauen Zeitangaben) und deshalb für die Konferenzen leider keine Zeit mehr hätte. Das half. Nachmittags blieb meine Frau zu Hause.

03.03.2013 в 01:23
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